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Einwendungen zum Ausbau der A 565

Das Verkehrsforum Bonner Bürgerinitiativen erhebt Einwendungen gegen die vorliegende Planung, im Zuge der notwendigen Sanierung des Tausendfüßlers dieses Brückenbauwerk samt den weiteren Verlauf der A565 durch die Bonner Nordstadt, Endenich und Poppelsdorf von bisher 4 auf 8 Spuren (6 Fahr- + 2 Standspuren) zu erweitern – zwecks möglicher Steigerung des überörtlichen Autoverkehrs von 24.300 zusätzlichen Fahrzeugen/24 Stunden mitten durch Bonn.

Dieser massive Autobahnausbau erfolgt direkt an der Grenze der Bonner Umweltzone und beansprucht auf der anderen Straßenseite einen Großteil der historischen Lenné-Parkanlage, die für die Frischluftversorgung der Bonner Innenstadt von entscheidender Bedeutung ist. Krasser kann man den Gegensatz der unterschiedlichen Interessen zwischen Bund/Land und der Stadt Bonn gar nicht demonstrieren!

Die Planung missachtet die klimatische Situation der Stadt Bonn im engen Rheintal, sie ignoriert den Klimanotstand und konterkariert die Bemühungen der Stadt Bonn, den Umweltverbund zu stärken, um Autoverkehr überflüssig zu machen.

Eine Kommune bei einer so einschneidenden Planung auf dem eigenen Stadtgebiet nicht miteinzubeziehen, widerspricht den Grundregeln der Demokratie, die eine obrigkeitliche Verfügung ohne Mitspracherecht der Betroffenen nicht zulässt. Wir fordern daher, die Stadt Bonn als ebenbürtige Partnerin in die Planungen miteinzubeziehen und die Entscheidungen des neuen Stadtrats abzuwarten, bevor Fakten geschaffen werden

 

 

Wir beanstanden, dass die offengelegten Planungsunterlagen unvollständig sind. Es fehlen notwendige Untersuchungen wie

-eine Korrektur der Verkehrsprognosen entsprechend den aktuellen Gegebenheiten,

-eine Wirtschaftlichkeitsprüfung,

-ein Klimagutachten

-eine Untersuchung der gesundheitlichen Schäden des Autobahnausbaus

 

1. Verkehrsprognosen:

Das Bauprojekt Ausbau der A565 auf insgesamt 8 Fahrbahnen beruht auf Prognosen, die aus der Statistik früherer Jahre hochgerechnet worden sind, aber den heutigen Verhältnissen nicht mehr entsprechen.

Die Stadt Bonn hat den Klimanotstand ausgerufen; sie ist gezwungen, durch einschneidende Maßnahmen den Autoverkehr als den hauptsächlichen Verursacher der schlechten Klimabilanz zu reduzieren und den Umweltverbund so zu stärken, dass er vor allem für Berufspendler eine attraktive Alternative zum eigenen Auto darstellt; Ziel ist es, in erheblichem Maße Autoverkehr überflüssig zu machen. Die Erfahrungen der Corona-Pandemie zeigen darüber hinaus, dass eine Neuorientierung der Nutzung eines externen Arbeitsplatzes im Gange ist und künftig erwartet werden kann (Homeoffice) – mit sehr viel weniger notwendigem Berufsverkehr. Dadurch wird in Bonn der Bedarf an Straßen und Parkplätze sinken – trotz gleich bleibendem Ausbau des Arbeitsstandorts. In Paris und anderen Städten wird beispielhaft vor Augen geführt, dass eine drastische Reduzierung des Autoverkehrs möglich ist ohne wirtschaftliche Einbußen.

Insofern sind die dem Ausbau der A565 zugrunde gelegten Verkehrsprognosen nicht mehr zeitgemäß und müssen überprüft werden. Bevor mit den Planungen fortgefahren wird, ist die Notwendigkeit der Erweiterung der A565 auf insgesamt 8 Spuren detailliert nachzuweisen.

 

2. Wirtschaftlichkeitsprüfung

Unverständlicherweise wird im Gegensatz zu allen anderen Wirtschaftszweigen bei Straßenbaumaßnahmen keine Wirtschaftlichkeitsprüfung verlangt. Dabei werden Milliarden Steuergelder ausgegeben, die viel nutzbringender für andere Verkehrsmittel eingesetzt werden könnten – z.B. für den Ausbau des Schienennetzes, das seit Jahrzehnten reduziert worden ist, statt es als klimafreundlichstes Verkehrssystem gewinnbringend auszubauen. In der DDR musste aller Lastverkehr über 50 km auf der Schiene transportiert werden. Warum hat man diese umweltentlastende Regel nach der Wende im geeinten Deutschland nicht übernommen – den grünen Pfeil aber schon? Straßenbau und Straßenerhalt kosten den Steuerzahler immense Summen, dazu kommen der Flächenverbrauch, die Wertminderung der Immobilien in immer weiterem Umkreis, und die gesundheitlichen Schäden des Autoverkehrs (Unfälle, Lärmemissionen, Krankheit durch Schadstoffemissionen – zum Teil mit Todesfolge). Diese Kosten sind detailliert aufzulisten und in ein realistisches Kosten-Nutzen-Verhältnis zu setzen, wie es bei Verkehrsprojekten des Umweltverbundes gang und gäbe ist. Es kann nicht sein, dass nach dem Motto „Weiter so“ immer neue Straßen gebaut werden, ohne zu hinterfragen, was das die Gesellschaft kostet, und ohne zu prüfen, wie der Verkehr billiger und effektiver gemanagt werden könnte.

 

3. Klimagutachten

Die vorgelegte Planung missachtet die klimatische Situation der Stadt Bonn im engen Rheintal mit häufigen Inversionswetterlagen, die die Luftschadstoffe im Stadtgebiet halten, und ignoriert den Klimanotstand, der die Stadt Bonn zu einschneidenden Reduktions-Maßnahmen zwingt – hauptsächlich im Verkehrssektor, der neben der Müllverbrennungsanlage (MVA) für die negative Klimabilanz der Stadt Bonn verantwortlich ist. Auf diesem Hintergrund ist es absolut nicht nachvollziehbar, dass die planenden Behörden ein Klimagutachten als verzichtbar ansehen. Sie begnügen sich mit dem Hinweis auf die Frischluftschneise in Nord-Süd-Richtung entlang des Rheins, ohne zu berücksichtigen, wie stark selbst diese Frischluftschneise durch die stärkere Versiegelung und die vermehrten Schadstoffemissionen des geplanten Bauvorhabens beeinträchtigt wird. Vor allem aber transportiert der Rhein vorwiegend wärmere Luft, die sich auch nachts weniger abkühlt. Die Kaltluft strömt aus den Seitentälern aus Richtung Eifel zum Rhein hin in die Innenstadt und sorgt für die notwendige Abkühlung. In Bonn herrscht meistens Westwind. Deshalb sollte auch das Messdorfer Feld von Bebauung freigehalten werden. Aus der Klimaanalysekarte ZURES von 2016, die bei künftigen Planungen berücksichtigt werden soll, geht hervor, dass die Autobahntrasse quer zur wichtigsten Frischluftschneise für die Bonner Innenstadt verläuft (vom Messdorfer Feld über Lennépark und andere Grünanlagen bis ins Zentrum). Durch das Querband der A565 und die Zunahme des Verkehrs mit verstärktem Luftzug durch die Fahrtwinde der zusätzlichen Fahrzeuge und durch die Lärmschutzwände anstelle von dichter Bepflanzung werden die Fallwinde von der oberen Rheinterrasse (nördlicher Kottenforst) ins Rheintal ausgebremst und stehen der Innenstadt nicht mehr zur Verfügung. Die Verbreiterung der Autobahntrasse um das Doppelte hat eine doppelt so große Versiegelung des Bodens und Aufheizung der Luft zur Folge. Die bis zu 12m hohen Lärmschutzwände aus Beton oder Glas verstärken die Hitzespeicherung und bilden einen Riegel, der die Kaltluft vom Messdorfer Feld hindert, in die Innenstadt zu fließen. Gleichzeitig verteilen sie die Schadstoffemissionen großzügig in ein weiteres Umfeld. Sämtliches Grün an den Böschungen und sogar in Teilen des Lennéparks, das bisher zur Bindung der Schadstoffe des Autoverkehrs und zur Sauerstoffgewinnung beitrug, soll verschwinden. Was das für das Bonner Klima bedeutet, ist gar nicht absehbar. Daher ist es absolut unverzichtbar, ein unabhängiges Klimagutachten vorzulegen, das die gravierenden Folgen des Bauvorhabens für das Bonner Klima detailliert dargestellt und bewertet.

 

4. Untersuchung der gesundheitlichen Schäden des     Autobahnausbaus

Seit über 30 Jahren ist bekannt, dass das Risiko, an Asthma oder Krebs zu erkranken, in Bonn um ca.15% größer ist als im höher gelegenen Umfeld. Hauptverursacher ist (neben der MVA) der Autoverkehr mit Schadstoffemissionen, Feinstaub, Erhitzung und Lärm.

Einzig zum Lärmschutz werden in den Planungsunterlagen konkrete Schutz-Maßnahmen genannt (Lärmschutzwände, Fahrbahn-Belag), die aber die beabsichtigte Erleichterung nicht bringen können, weil die Lärmemissionen ja nicht einfach weg sind, sondern nur anders verteilt werden, so dass auch ferner wohnende Bürger/innen „etwas davon haben“. Heute schon ist der dauerhafte Lärm der Autobahn für die Anwohner in Endenich so groß, dass man kaum sein eigenes Wort versteht. Diesen Lärmpegel in einem dicht besiedelten Wohngebiet noch weiter zu erhöhen, ist verantwortungslos.

Zu den Emissionen von Abgasen und Feinstaub und zu der Hitzeentwicklung durch die großflächige Versiegelung fehlen Untersuchungen; deren gesundheitliche Folgen werden überhaupt nicht beachtet. Kann es denn sein, dass zugunsten eines Teils der Bevölkerung, der sich „Freie Fahrt für freie Bürger“ wünscht, die Gesundheit eines anderen Teils der Bevölkerung aufs Spiel gesetzt wird?

Wir fordern eine Untersuchung aller gesundheitlichen Schäden, die die Baumaßnahme samt den unmittelbaren Folgen (Zunahme des MIV, erhöhte Geschwindigkeit) mit sich bringt.

 

Text: verantwortlich Ilse Maresch

Fotos:  Raimund Gerber/Jürgen Huber